Nord-Stream-Anschlag: August Hanning über Ukraine und Polen
Auch schon bei Ihnen darüber spekuliert: Wer könnte ein Interesse daran haben?
Wer könnte die Fähigkeiten haben, solche Anschläge auszuführen?
Und da ist, äh, ich sehr klar, dass sich da herausschälen
die Ukraine und Polen. Und, äh, so wie es
ausschaut, äh, war es ja ein ukrainisches Team, was nach
den Ergebnissen der Ermittlungen hier agiert hat.
Dies war natürlich nur möglich, äh, mit Unterstützung vom Lande
aus. Und wenn wir uns angeschaut haben eben auf
der Karte,
der Segler ist ja von Lubmin aus gestartet.
Also ganz offenkundig waren polnische Dienststellen hier eingeschaltet.
Und ich glaube eben nicht nur Dienststellen, sondern ich glaube,
das war eine
Verabredung zwischen den höchsten Spitzen in der Ukraine und in
Polen. Und offenkundig hat ein ukrainisches Team
den Anschlag
ausgeführt und das ging aber nur mit starker logistischer
Unterstützung aus Polen. Und solche Entscheidungen fallen nicht auf
der Ebene unserer Ebene, sondern das sind
Entscheidungen, die auf höchster politischer Ebene
gefallen sind.
Und ich glaube, dass es hier Verabredungen zwischen
Präsident Selenskyj und
Präsident Duda gegeben hat, diesen Anschlag auszuführen.
Das sind natürlich wirklich weitreichende Vermutungen.
Wenn wir jetzt für die juristische Aufarbeitung uns das noch mal anschauen,
also
wenn Sie sagen, dass Polen da sozusagen von höchster
Stelle aus mit involviert
war, heißt das, dass dann eben Polen in dem Fall jetzt
auch kein Interesse hat, äh,
die Verdächtigen zu fassen beziehungsweise auszuliefern?
Ja, das ist ja offenkundig. Also man hat den Verdächtigen ja ausreisen
lassen, obwohl es da ja Gespräche gab, auch zwischen den Ermittlungsbehörden und
ich glaube auf politischer Ebene.
Und, äh, man hat ja auch die Ermittlungen nicht
gerade befördert.
Im Gegenteil, man hat wichtige Ergebnisse
zurückgehalten, wie ich gehört habe, aus
Ermittlerkreisen. Also kurzum: Polen hat kein Interesse an einem
Erfolg der Ermittlungen. Und das liegt natürlich daran,
dass Polen in die
Vorbereitung dieses Anschlags massiv involviert gewesen ist.
Mhm.
Es wird jetzt auch nicht reichen, die Täter eben ausfindig zu machen,
sondern eben
auch die Auftraggeber müssen ermittelt und eigentlich auch bestraft werden.
Und, äh, wenn ich Ihnen so folge bei den
Vermutungen, die Sie anstellen,
ähm, ja, das ist politisch vielleicht nicht
opportun, weil man die Regierung
Selenskyj da nicht in Bedrängnis bringen will.
Welche Rolle spielt da jetzt zum Beispiel auch der BND dabei?
Und kann das vielleicht doch noch gelingen dann?
Ja, solche Anschläge, wie sie stattgefunden haben, gehen ja
nicht ohne massive staatliche Unterstützung.
Das war von vornherein klar.
Das ist ja keine Privataktion eines Tauchlehrers gewesen, wie es so
im Augenblick so den ersten Anschein hat.
Nein, nein, das ist massiv unterstützt worden von den,
äh,
Militärs. Ich glaube, da spielte das, äh, polnische, aber auch das
russische, das ukrainische, nicht das russische,
das ukrainische Militär eine
große Rolle und die Nachrichtendienste ebenfalls auch.
Noch mal: Solche Entscheidungen fallen auf höchster
politischer Ebene.
Es ist ja ein erheblicher Schaden entstanden an den Pipelines.
Die Folgeschäden, ich habe mal mit, äh, internen, äh,
Experten gesprochen, von den Betreibern.
Die belaufen sich auf bis zu zwanzig bis dreißig Milliarden Euro.
Ein Riesenschaden, der entstanden ist durch
Staatsterrorismus.
Man muss das so deutlich benennen und ich erwarte auch von der
Bundesregierung, dass hier deutlich gemacht wird,
dass eigentlich
Schadenersatz gefordert werden muss, auch von den Betreibern.
Ich meine, das sind Riesenschäden, die entstanden durch Aktivitäten von
ukrainischen und polnischen Regierungsdienststellen.
Mhm. Das wäre auch wirklich ein unglaublicher
politischer Skandal.
Vielen Dank für diese Einschätzungen. Der frühere BND-Chef August Hanning.
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