Transcript · German
German transcript
Ich konnte nicht Nein sagen. Die meisten Frauen können nicht Nein sagen, weil 70
Prozent von ihnen bei Vergewaltigung in eine Schockstarre verfallen, weil Nein sagen
auch oft gefährlich ist, zum Beispiel in Beziehungen, wenn man in einer Abhängigkeit
lebt, wenn man kein Bleiberecht hat. Wer daraus schließt, tja, dann war es wohl
nicht eindeutig genug, bestraft die Betroffenen ein zweites Mal.
Deswegen macht mich diese Debatte auch so wütend, weil das Gesetz der Frau die Beweislast
aufdrückt, das, was wir bisher haben, weil es noch immer so geredet wird, als müssten
Frauen nur laut genug Nein sagen, nur stark genug kämpfen, nur richtig genug reagieren,
und dann, dann bekommt ihr unseren Schutz. Aber das stimmt doch nicht. Weniger als
3 Prozent der Übergriffe werden überhaupt angezeigt, und von denen werden 87 Prozent
nicht mal verurteilt. Und dann will uns die Justizministerin erzählen, das aktuelle
Sexualstrafrecht, das funktioniert sehr gut. Sex braucht keine Auslegung gegen
die Betroffene. Sex braucht Zustimmung. Das ist nicht kompliziert, das ist nicht
radikal, das ist das absolute Minimum.
Und andere Länder sind da auch bereits längst weiter. Schweden, Spanien, Dänemark,
Griechenland, ganz viele könnte ich jetzt hier aufzählen. Aber auch die Bevölkerung
ist längst weiter. Neulich kam eine Umfrage raus von Civi, die zeigte, dass die Mehrheit
der Leute in Deutschland auch so eine neue Sexualstrafrechtsregelung befürworten
würden. Und auch die Istanbul-Konvention, die ja dieser Bundestag hier zugestimmt
hat, sagt, dass Einverständnis im Zentrum stehen muss. Wer jetzt sagt, das alles sei
zu schwierig, dem sage ich, schwierig ist nicht die Reform. Schwierig ist der Alltag
von Betroffenen in einem System, das ihnen nur mit Misstrauen gegenübertritt. Schwierig
ist, wenn Verfahren nicht einmal aufgenommen werden. Schwierig ist, wenn Betroffene lernen,
nicht das, was dir passiert ist, steht im Mittelpunkt, sondern ob du in einer Extremsituation
noch juristisch perfekt reagiert hast. Dieser Staat muss aufhören, sexualisierte
Gewalt so zu behandeln, als wäre das ein Missverständnis. Das ist kein Missverständnis
zwischen zwei Leuten hier, das ist Gewalt. Gewalt ist ein Ausdruck von Machtunterschieden.
Es ist Zeit, dass wir diese Machtunterschiede in unserer Gesellschaft überwinden. Es geht
hier um die ganz einfache Wahrheit, dass niemand Anspruch auf den Körper eines anderen
Menschen hat. Genau deshalb muss endlich gelten, nur Ja heißt Ja.
End of transcript · 375 words · machine translated