The Importance of Free Expression in Society

Guten Tag.

Es gibt in diesem Land einen Satz, den täglich Tausende beginnen und

den kaum jemand zu Ende bringt. Der Satz heißt: Ich weiß ja nicht,

ob man das heute noch so sagen darf.

Wer ihn ausspricht, prüft die Gesichter am Tisch.

Nicht aus Angst um Leib und Leben, sondern aus Sorge

vor dem Preis,

dem Verlust von Sympathie, Wärme und

Zugehörigkeit. Meist bleibt der Gedanke dann

unausgesprochen

oder schrumpft zu einer Fassung, die niemand

verletzt, weil sie nämlich nichts mehr behauptet.

Gesellschaften gehen selten daran zugrunde, dass man ihnen

das Reden verbietet.

Viel häufiger gewöhnen sie es sich freiwillig ab.

Höflich, rücksichtsvoll und mit dem angenehmen

Gefühl, sich

anständig zu verhalten. Politisch korrekt. PC.

Der Konsens ist keine Verschwörung, nein, er ist eine

Bequemlichkeit. Solomon Asch zeigte zum Beispiel bereits

in den

50er Jahren, wie stark sie wirkt. Versuchspersonen

sollten damals sichtbar unterschiedlich lange

Linien vergleichen.

Und sobald mehrere Eingeweihte einstimmig die falsche

Antwort gaben,

schloss sich ein erheblicher Teil

der Gruppe dieser Meinung an.

Nicht, weil die Menschen ihren Augen nicht

trauten, sondern weil das

Alleinsein mit der eigenen Wahrnehmung

unangenehm ist.

Der gefährlichste Konsens ist deshalb nicht der dumme,

sondern der mit den vermeintlich guten Gründen.

Ignaz Semmelweis zum Beispiel erkannte 1847,

1846 in Wien, dass Ärzte das

Kindbettfieber über ungewaschene Hände übertrugen.

Nach Einführung der Desinfektion sank dann die

Sterblichkeit von etwa achtzehn auf ein bis zwei

Prozent. Und dennoch wurde er bekämpft, denn die

Vorstellung, Ärzte könnten ihre Patienten

töten,

verletzte das Selbstbild eines ganzen Standes stärker, als die

Zahlen zu überzeugen vermochten.

Und dann 1933 zum Beispiel erklärte Ernest Rutherford, aus

der Spaltung von Atomen lasse sich keine nutzbare Energie

gewinnen. Nur einen Tag später erkannte Leo Szilard

an einer Londoner Ampel das Prinzip der nuklearen

Kettenreaktion. Er sah es ganz klar vor Augen.

Und zwischen dem Urteil des damals größten Fachmanns und seiner

Widerlegung lag nur ein Tag und ein

Fußgängerübergang. Gut, zur Redlichkeit gehört: Die meisten

Menschen, die dem Konsens widersprechen,

okay, sie irren.

Auf jeden Semmelweis kommen tausend Erfinder des Perpetuum Mobile.

Nur kann niemand im Voraus erkennen, welcher

der tausend Sonderlinge der eine ist, der recht behält.

Darum schützen wir die abweichende Meinung nicht,

weil sie richtig ist, sondern weil sie richtig

sein könnte. Wer den Preis des

Widerspruchs erhöht,

verringert nicht nur die Zahl falscher Meinungen, er verringert die

Zahl der Meinungen insgesamt

und damit zwangsläufig auch jene eine, auf die es

angekommen wäre.

Schauen Sie, noch um 2010 suchten

Unternehmen ausdrücklich nach Querdenkern, nach

Menschen, die quer dachten. Heute kalkuliert jeder, der in einem

Meeting quer denkt, zunächst, wie das auf ihn

selbst zurückfallen könnte. Wer über die Bedeutung

der Wörter verfügt, bestimmt, was sich ohne

gesellschaftliche Kosten denken und sagen

lässt. Die abweichende Meinung ist deshalb

das Gold unserer Tage. Nicht, weil sie immer wahr

wäre,

sondern weil sie selten geworden ist.

Niemand muss sie bewundern. Es genügt, sie

auszuhalten.

Und wenn es darauf ankommt, am Tisch sitzen zu bleiben,

den Blick eben nicht zu senken und den Satz zu

Ende zu sprechen. Auch wenn damit eine andere

Meinung artikuliert wird. Die andere Meinung

ist heutzutage in dieser Gesellschaft hier in Deutschland

das Gold unserer Tage. Bis dahin.

End of transcript · 532 words

iPhone app Translate videos on your iPhone Paste a TikTok, Instagram or X link, add subtitles in your language and save the video to Photos.

Read any video in your language

Paste a link from X, TikTok, YouTube or Instagram. You get a page like this one.

© 2026 TranslateMom Transcripts Sources Pricing Legal