Kritik an Audi-Chef Döllner nach US-Werksankündigung bei Trump

Arbeitnehmervertreter kritisieren Audi-Chef Döllner scharf,

weil er mitten im

US-Wahlkampf einen Fabrikneubau im US-Bundesstaat Georgia

angekündigt hat. Die IG Metall-Vorsitzende Benner nannte

das Vorgehen

inakzeptabel und peinlich. Döllner verletzte die Unternehmensregeln,

die ausdrücklich politische Neutralität vor Wahlen verordneten.

Ähnlich äußerte sich die Chefin des VW-Gesamtbetriebsrats

Cavallo. Der Audi-Chef hatte den Bau eines neuen

US-Werks bei einer Wahlkampfveranstaltung von Präsident Trump

angekündigt. Dafür wurde er von Trump und dessen

Anhängern gefeiert.

Daniela Olivares in Ingolstadt. Ja, die Kritik an Audi-Chef

Döllner ist groß, haben wir gerade gehört.

Wie äußert sich Döllner denn selbst dazu?

Ja, er hat sich in einer Medienrunde geäußert

und hat

gesagt, dass wenn eine Einladung des

US-Präsidenten kommt,

dass man da nicht Nein sage. Das alleine gebiete schon der Respekt vor

dem

Amt. Das Setting sei außergewöhnlich gewesen,

hat er

gesagt, aber es war wohl Teil des Deals, würde ich vermuten.

Wenn man so eine große Ankündigung macht, dann wird schon

irgendwie im Hintergrund etwas gelaufen sein.

Und trotzdem stellt sich die Frage, weshalb ein Audi-Chef ausgerechnet auf

einer

Wahlkampfveranstaltung eines US-Präsidenten eine solche Ankündigung

macht.

Steht Audi so schlecht da, dass Döllner sich gezwungen sieht,

die Nähe

von Trump zu suchen?

Audi hat zu kämpfen. Das wird hier in Ingolstadt immer wieder

deutlich.

Erst in der vergangenen Woche hat das Unternehmen bekannt gegeben, hier

alle Förderungen Sponsoring einzustellen.

Also keine Audi-Sommerkonzerte mehr hier in der Stadt, keine

Unterstützung mehr für den Halbmarathon.

Das war schon ein ganz deutliches Zeichen, weil das sind vergleichsweise kleine

Summen, die man nicht mehr ausgeben will und

dadurch wird schon klar:

Das Unternehmen hat zu kämpfen. Der Markt in China bricht weg

und in den USA ist man eben nicht ganz dabei.

Die Konkurrenz BMW und Mercedes, die haben ja schon länger Werke in den

USA, Audi bislang eben nicht. Und umso härter trifft sie eben

die Zölle der Trump-Regierung. Im vergangenen Jahr waren das etwa eine

Milliarde Euro, die das Unternehmen dafür bezahlen musste.

Und da muss man einfach handeln. Da musste auch Döllner nun handeln.

Und dass das Werk notwendig ist, das sehen hier alle so.

Es soll eine langfristige Investition in die USA, in den

US-amerikanischen Markt sein, um dort einfach, ja, einen

Fuß in der Tür zu haben.

Trotzdem da noch mal die Nachfrage: Wie verträgt sich Döllners Vorgehen mit

dem

Verhaltenskodex zur politischen Neutralität?

Darin heißt es ja, in den letzten drei Monaten Vorwahlen

werden keine öffentlich

wirksamen Termine mit zur Wahl stehenden Parteien beziehungsweise Politikern

durchgeführt. Die Zwischenwahlen in den USA sind am 3.

November.

Trumps Republikaner treten an und Döllner hat den Kodex unterschrieben.

Das ist jetzt die Frage. Wir haben diese Frage auch an das

Unternehmen

gerichtet, ob es da eben eine Ausnahme für,

für Gernot Döllner

gab oder ob diese Regel womöglich nur in Deutschland gilt.

Bislang warten wir noch auf eine Rückmeldung von Audi.

Das gab's bislang noch nicht. Ich würde aber vermuten, dass dieser

Auftritt mit allen beteiligten Gremien bei Audi und im

VW-Konzern abgesprochen war, weil das kommt ja nicht plötzlich,

dass man beim

US-Präsidenten im Wahlkampf auftaucht, sondern da war bestimmt eine lange

Vorplanung da und das sollte hoffentlich

abgesprochen gewesen sein.

Was sagen denn die Audi-Beschäftigten in Ingolstadt zu Döllners Auftritt?

Wir sind hier am Werk in Ingolstadt unterwegs gewesen und haben mit einigen

Mitarbeitern sprechen können. Die zeigten sich doch sehr

irritiert bis kritisch gegenüber dem Auftritt.

Jörg Schlagbauer, Gesamtbetriebsratschef, sagte mir, sein Telefon hat geglüht.

Er hat sehr viele E-Mails bekommen, in dem sich die Mitarbeiter quasi

entsetzt gezeigt haben. Was mir aber auch einige hier am Werkzeug

gesagt haben,

war, dass es wohl Teil des Deals gewesen sein

muss, wenn man das

gemacht hat und dann sei es auch irgendwie zu rechtfertigen, denn man braucht das

Werk in den USA, haben mir die Mitarbeiter gesagt,

um einfach auch wieder

mehr Gewinn zu erwirtschaften, nicht von den Zöllen belastet zu sein.

Und wenn man dafür bei Trump auf die Bühne gehen muss, dann muss man

das wohl machen. Das haben die Mitarbeiter gemeint.

Die Stimmung hier ist einfach sehr angespannt.

Die Menschen sind sehr verunsichert, was die Zukunft angeht und daher

hoffen sie nun, dass man mit dem Werk in den USA

vielleicht wieder

in bessere Zeiten kommt.

Herr Döllner will mit dem Audi-Werk dort in Georgia etwa zweihunderttausend

SUVs pro Jahr bauen. Aber die Frage stellt sich ja auch:

Wie schnell

soll dieses Werk Gewinne einfahren?

Die Rede ist ja von Investitionskosten in Höhe von vier Milliarden Dollar.

Umgerechnet sind das etwa drei Komma sechs Milliarden Euro.

Ja, Baubeginn soll schon im nächsten Jahr

sein,

2027. Donald Trump sprach noch vom

November. Das hat Audi aber so nicht bestätigt.

Offiziell losgehen soll es 2027. Die Produktion wird dann aber

erst Anfang der 2030er Jahre dort starten.

Und wie schnell dann dort Gewinne erwirtschaftet werden,

das hängt natürlich auch

am amerikanischen Markt, wie die, wie der auf die Audis

reagieren wird, ob die gekauft werden.

Es sollen ja Fahrzeuge speziell für den nordamerikanischen Markt sein, die

Q7, acht und neun, die bislang in der Slowakei gefertigt

werden. Wie es mit dem Werk dort übrigens

weitergeht, ist im Moment noch offen.

Daniela Olivares in Ingolstadt. Vielen Dank für diese Informationen und

Hintergründe.

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