Military Chaplaincy in the German Army

Herr Feldbischof, seit wann gibt es eigentlich eine geregelte Feldseelsorge in der deutschen Armee?

Soldaten, Gemeinden und Feldpredier gab es bereits unter dem großen Kurfürsten.

Aber der erste Aufbau einer geordneten Feldseelsorge ist das Werk Friedrich Wilhelms des Ersten,

den man ja den Baumeister des preußischen Staates genannt hat.

Er schuf überall bei den Regimentern Feldpredierstellen und stellte im Jahre 1719 einen Feldprobst an die Spitze der Militärseelsorge.

Sie hat mit geringen zeitlichen Unterbrechungen bis auf den heutigen Tag Bestand gehabt.

Haben Sie die Gelegenheit gehabt, Herr Feldbischof, die Fronttruppen zu besuchen?

Wie wird an der Front der Gottesdienst gehalten?

Ich bin mehrmals an der Front gewesen und habe den Frontgottesdiensten beigewohnt.

In den meisten Fällen habe ich sogar am Schluss selbst das Wort ergriffen.

Die Gottesdienste werden in einfacher Form gehalten.

Liedervers, Predigt, Gebet, Vaterunser, Segen und Lied.

Die Gottesdienste an der Front werden durchweg gut besucht. Obgleich der Grundsatz der Freiwilligkeit des Besuches,

wie ich ja schon eben sagte, überall in Geltung steht.

Das Bedürfnis nach Gottes Wort ist reichlich vorhanden.

Wie wird die Seelsorge in den besetzten Gebieten gehandhabt?

Die Divisionen, die als Besatzungstruppen im besetzten Gebiet liegen, behalten auch ihre Feldgeistlichen dort.

Wo es notwendig wird, erfolgt außerdem die Kommandierung weiterer Wehrmachtgeistlicher für einzelne Truppenformationen im besetzten Gebiet.

Im Übrigen läuft das kirchliche Leben der Bevölkerung ohne in irgendeiner Weise von uns beeinflusst oder gestört zu sein in seinen alten Bahnen weiter.

Wie steht es nun mit der kirchlichen Betreuung der Kriegsgefangenen?

Für die Kriegsgefangenenseelsorge sind bestimmte Geistliche vorgesehen,

die mit ausreichenden Kenntnissen der Fremdsprache ausgerüstet sind.

Außerdem stehen für jedes Lager die Geistlichen des nächstgelegenen Standortes zur Verfügung.

Soweit möglich sind sogar aus der Zahl der Kriegsgefangenen selbst diejenigen ausgesucht für die Gefangenenseelsorge,

die von Haus aus Geistliche sind und die als Soldaten gefangen genommen wurden.

Herr Feldbischof, man hört so manches über die Zusammenarbeit der beiden Konfessionen an der Front.

Können Sie uns, bevor wir nun leider schließen müssen, darüber noch etwas sagen?

Die Zusammenarbeit der katholischen und protestantischen Wehrmachtgeistlichen ist eine im echt christlichen Sinne kameradschaftliche.

Manchmal finden die katholischen und protestantischen Gottesdienste an der Front unter freiem Himmel sogar gemeinsam statt,

wobei sich der katholische und der protestantische Geistliche in die Amtshandlungen teilen.

Die Predigt fällt gewöhnlich dem protestantischen Geistlichen zu.

Nur die Abendmahlsfeiern am Schluss werden getrennt gehalten an besonderen, getrennt errichteten Altären,

wo dann der katholische Wehrmachtgeistliche die Messe ließ und der protestantische das Abendmahl austeilt.

Haben Sie nochmals aufrichtigen Dank, Herr Feldbischof, dass Sie zu uns gekommen sind und zu uns gesprochen haben.

Ich möchte nochmals wiederholen, dass ich gerne gekommen bin.

Zum Abschied aber rufe ich unseren Hörerinnen und Hörern die Losung zu, die unsere deutschen Soldaten auch in diesem großen Kriege auf ihrem Koppelschloss stehen haben.

Gott mit uns!

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