Discussion on Victim Rights and Justice
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren.
Stellen Sie sich bitte für einen Moment vor, Sie sind Mutter einer
vierzehn-jährigen Tochter. Nennen wir sie Frieda.
Das ist sehr bezeichnend, wenn ich jetzt schon dieses Raunen in,
in Ihren Reihen
höre.
Frieda verändert sich und zieht sich zurück.
Sie spricht nicht darüber, was mit ihr los ist.
Und Sie merken, irgendwas stimmt nicht.
Irgendwann wissen Sie sich nicht mehr anders zu helfen und nehmen das Handy
ihrer
Tochter.
Und dort finden Sie ein Video, ein Video von Frieda, wie sie von
drei gleichaltrigen Jungen vergewaltigt wird.
Sie erkennen sofort, was das Gericht später leugnen wird.
Frieda will das nicht. Sie ist in Schockstarre.
Sie bewegt sich nicht aus Angst.
Das Gericht wird später daraus machen, dass sich Frieda nicht genug gewehrt
hätte.
Die Verfahren gegen die drei syrischen und afghanischen Täter werden eingestellt.
Sie hätten nicht eindeutig erkennen können, dass die vierzehn-jährige Frieda,
die
sie in einem verbarrikadierenden Raum zum Sex gezwungen haben, das nicht wollte.
Und da habe ich nur eine Frage, meine Damen und Herren:
Was um Himmels willen läuft
in diesem Land falsch?
Warum werden Täter mehr geschützt als Opfer?
Ja, Frau Ständel, von Ihnen kenne ich das, dass Täter mehr geschützt werden als
Opfer. Es ist eine absolute Schande.
Es ist eine absolute Schande, dass dieses Verfahren eingestellt wurde
und
die Täter auf freiem Fuß sind, meine Damen und Herren.
Und die Einstellung des Verfahrens ist für mich vergleichbar mit dem Video der
Tat sel, selbst. Denn beide nehmen die Perspektive
der Täter ein. Friedas Perspektive nimmt niemand ein,
außer ihre Eltern. Als sie das Video sehen, erkennen sie ihre
Angst und sie erkennen die Umgebung.
Es ist das Jugendzentrum, in das Frieder bis vor einer Weile
manchmal gegangen
ist.
Meine Damen und Herren, was muss in einer Mutter in diesem Moment
vorgehen?
Genau das ist einer Familie aus Gnarrenburg passiert.
Frieda kann, auf das Video angesprochen, zunächst kaum darüber sprechen.
Also schreibt sie einen Brief. Sie schildert ihren Eltern,
dass sie von den anderen
Jugendlichen in einen Raum des Jugendzentrums gebracht wurde, dass,
dass die Tür
geschlossen und mit einem Billardtisch blockiert wurde.
Dann wurde ihr befohlen, sich auszuziehen und das,
was alle liebenden Eltern
verhindern wollen, passiert. Das Video verbreitet sich rasend unter
Jugendlichen. Denn die Täter plagt kein schlechtes
Gewissen.
Sie prahlen mit ihrer Tat und es ist nicht die erste.
Zwei der drei sind dem Jugendamt längst bekannt und hatten bereits Hausverbote im
Jugendzentrum.
Von all dem erfahren die Eltern nichts.
Zum Zeitpunkt, in dem sie das Video auf dem Handy ihrer
Tochter finden, sind seit
der Tat bereits 48 Tage
vergangen. Später kommt raus, dass das Jugendzentrum der
CDU-Bürgermeister und der kirchliche Superintendent bereits einen Tag
nach der Tat davon wussten. Sie halten es nicht für nötig,
die Eltern zu
informieren. Während ein vierzehn-jähriges
Vergewaltigungsopfer wochenlang alleine
gelassen wird, machen die verantwortlichen Stellen
nichts.
Der Bürgermeister behauptet später, CDU-Bürgermeister, er hätte nur von
einer, von einer Jugendlichen gehört, die sich im Jugendzentrum mit drei
Jungen getroffen hätte, um, Zitat: "eine Nummer zu schieben." Machen
Vierzehnjährige immer so, das kennt man natürlich.
Von einer Vergewaltigung sei ihm nichts bekannt.
Und ganz ehrlich, meine Damen und Herren, ich persönlich möchte weinen,
wenn ich das höre. Wie sehr kann man ein vierzehn-jähriges
Mädchen bitte demütigen?
Was geht in dem Kopf eines Bürgermeisters vor, der mit den Schultern zuckt,
wenn eine Vierzehnjährige in einem verbarrikadierenden Raum von drei teils
schwerstauffälligen Syrern und Afghanen missbraucht wird?
In welcher Realität soll das normal sein?
Und in welcher Realität soll ihnen das nichts angehen?
Ich sage Ihnen, welche: In der Re, Realität, in der Frieda jetzt
leben muss. Und die Erniedrigung hört hier nicht auf.
Der Bürgermeister behauptet, dass es weder eine Tür gab,
die verschlossen wurde,
noch einen Billardtisch und dass immer zwei Mitarbeiter im Jugendzentrum präsent
gewesen wären, um aufzupassen. Übersetzt: Das vergewaltigte Opfer
würde lügen. Aber ich sage Ihnen, wer hier gelogen hat: All die
Verantwortlichen, die Frieda nicht geholfen haben,
sondern nur daran dachten, ihren
eigenen Hals zu retten. Es hieß auch, man hätte nach Kenntnis des Falls
umgehend die Polizei informiert.
Doch als die Eltern die Polizei kontaktierten, weiß sie davon gar
nichts. Es sind Friedas Eltern, die als Erste Anzeige erstatten.
Und je mehr sie nach Antworten suchen, desto mehr Fragen stellen sich.
Warum wurden die Eltern nicht informiert? Warum wurde die Polizei nicht informiert?
Sollten hier die Täter beschützt werden, weil sie die falsche Herkunft hatten?
Das unterstelle nicht ich, sondern das implizieren die Vorwürfe,
denen sich
plötzlich Friedas Familie ausgesetzt sieht.
Ihnen wird unterstellt, sie würden nur Geld mit der Vergewaltigung
ihrer Tochter
machen wollen und Wahlkampf für die AfD.
Und meine Damen und Herren, ich persönlich bin entsetzt von der
Boshaftigkeit und
den menschlichen Abgründen, die sich hier offenbaren.
Und ich frage Sie: Was läuft in einem System eigentlich
falsch, wenn Eltern, die
Antworten suchen, selbst auf der Anklagebank landen,
während die Täter auf freiem
Fuß sind?
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